Unsere Überzeugung
In Deutschland gibt es verschiedene gute Praxen, Kliniken und Institute, die traumatisierte Menschen bei der Heilung unterstützen. Die meisten kümmern sich um die Opfer von großen Katastrophen, von Krieg und Folter, Gewaltverbrechen, Terrorismus, Entführungen, Unfällen und Naturkatastrophen. Andere betreuen Menschen, die Schicksalsschläge erlitten oder sich in der Pflege schwer kranker Familienangehöriger körperlich und seelisch erschöpften.
Uns fiel bei unserer Arbeit mit Klienten jedoch immer wieder auf, dass die Traumata, die täglich in Familien und dem näheren Umfeld sozusagen „ganz normal“ passieren, häufig übersehen werden. Die Symptome, die auf Grund der sogenannten „Beziehungstraumata“ entstehen, werden oftmals nicht richtig zugeordnet, und der Klient erhält die Diagnose „Persönlichkeitsstörung“.
Beziehungstraumata sind jedoch nicht nur die Ursache psychischer Probleme. Wie wir erst kürzlich auf dem Symposium „Menschwerdung“, das von 25. – 26. November in Lindau stattfand, bei dem Vortrag von Professor Dr. Alexander Trost erfuhren, ergab eine Studie US-amerikanischer Versicherungen, dass es einen deutlichen Zusammenhang zwischen einer traumatischen Kindheit und bestimmten körperlichen Erkrankungen gibt.
Durch die moderne Hirnforschung haben wir gesicherte Daten darüber, was Traumata anrichten. Kleinkinder sind besonders verletzlich. Wenn im ersten Lebensjahr bestimmte Impulse nicht oder zu stark kommen, wird die Hirnentwicklung irreversibel geschädigt. Diese Kinder haben einen niedrigeren Intelligenzquotienten, feinere Gefühle wie Mitgefühl können nicht empfunden werden. Straftäter mit einer solchen Schädigung des Gehirns können nicht resozialisiert werden, weil sie gar nicht über die Fähigkeit zur Einsicht verfügen!
Das Wissen um Trauma, seine Entstehung und die Möglichkeiten der Heilung dürfen deshalb nicht nur als persönliches Problem der Betroffenen verstanden werden. Wenn wir die Lebensbedingungen der Kinder anschauen, die sich als Selbstmordattentäter in die Luft sprengen oder die in Frankreich Autos anzünden, müsste Politikern, Führungskräften und Ärzten usw. eigentlich die politische Tragweite einer Traumatisierung der Kinder klar werden. Kriege und soziale Unruhen werden wir in Zukunft nicht durch strengere Gesetze und „intelligente“ Waffen (die noch mehr Trauma verursachen) verhindern können, ganz zu schweigen von explodierenden Kosten im Sozial- und Gesundheitswesen.
Nur ein fundiertes Wissen um Trauma und seine Auswirkungen und um die Möglichkeiten, die Verletzung der Seele zu heilen, wird uns dauerhaft Frieden bescheren. In der Bergpredigt, der zentralen Botschaft des Christentums, sagt Jesus: „Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben... Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden... Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden“ (Matt. 5, 5-9). In diesem Sinne sehen wir unsere Aufgabe, Menschen liebevoll bei der Heilung ihrer seelischen Wunden zu unterstützen, als einen spirituellen Auftrag, als die praktische Umsetzung der christlichen Botschaft. Jeder, der sich dieser Aufgabe verschreibt, wird darüber hinaus seinen Beitrag für den Weltfrieden leisten, denn jeder Mensch, der sein Trauma geheilt hat, ist ein friedliebender Mensch, der zutiefst erfahren hat, dass Gewalt, Abwertung und Misshandlung keine Zukunft haben.
In jedem von uns existiert ein unverletzbar heiler Kern, dem nichts etwas anhaben kann. Die Symptome und die Überlebensmuster sind Trabanten, die um diesen Kern kreisen. Es gilt, diese Trabanten zu erkennen, das Wertvolle zu achten, das Veraltete umzugestalten und daraus ein neues Bild zu komponieren, in dem Selbstwert, Lebensfreude und Vertrauen wieder die Hauptrolle spielen dürfen. Dies zusammen mit unseren Klienten anzustreben ist unser erklärtes Ziel.
Zum Wohle aller Wesen!