Unser Traumatherapiekonzept
Unser Traumatherapiekonzept
Das von uns entwickelte Traumatherapiekonzept stützt sich auf drei Säulen:
Wir nutzen die Erkenntnisse der modernen Hirnforschung, um dem Klienten seine emotionalen Reaktionen zu erklären. Unser Gehirn arbeitet so, dass wir nur das, was wir begreifen, loslassen können. Erst wenn der Klient versteht, warum und worauf er reagiert, kann er das Erlebte verarbeiten.
Die Interventionen der lösungs- und ressourcenorientierten systemischen Psychotherapie eigenen sich hervorragend für die Traumatherapie. Schon lange ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Konfrontation mit vergangenen Schrecken nicht heilt, sondern im Gegenteil retraumatisiert. Aus diesem Grund nutzen wir in unserem sanften Therapiekonzept vor allem Interventionen, die das Selbstbewusstsein unserer Klienten stärken.
Darüber hinaus nutzen wir Techniken aus bewährten traumatherapeutischen Schulen, um das Trauma zu verarbeiten.
Traumatherapie ist meist keine Kurzzeittherapie. Die Dauer hängt von der Schwere der Belastung und der Symptomatik ab. Klienten, deren Wohnort weit entfernt ist, können mehrere Termine hintereinander buchen.
Systemische Traumatologie und Traumaheilung
Als systemische Familientherapeuten sind wir davon überzeugt, dass sich die systemische Therapie hervorragend dazu eignet, Traumaopfer bei ihrer Heilung zu unterstützen. Als ressourcen- und lösungsorientierte Methode zeigt die systemische Psychotherapie alle Merkmale einer schonenden, hilfreichen Traumatherapie.
Häufig taucht allerdings die Frage auf, wie wir als überzeugte Systemiker und damit als überzeugte Konstruktivisten von der „Monokausalität Trauma“ ausgehen können. Systemiker begreifen die Welt in zirkulären Prozessen. Das Benennen einer bestimmten Ursache für bestimmtes Verhalten ist ein lineares Konzept, das Systemiker in der Regel ablehnen.
Doch auch Systemiker müssen anerkennen, dass es „harte Fakten“ gibt, die Menschen nicht dadurch beeinflussen können, dass sie ihre Sichtweise ändern. Wenn eine große Fabrik geschlossen wird, ist daran nicht die Wirklichkeitskonstruktion des Monteurs schuld; möglicherweise muss er die Folgen der Wirklichkeitskonstruktion des Managements erdulden. Wir sind alle den „Angebotsstrukturen des ökologischen Kontextes“ (Schneewind et al. 1983) mehr oder weniger ausgeliefert.
Dies gilt unserer Überzeugung nach auch für die emotionale Angebotsstruktur in Familien. Kinder, die körperliche Misshandlung, sexuelle Gewalt, psychische Abwertung und Vernachlässigung erdulden müssen, haben eben so wenig die Wahl, die Wirklichkeitskonstruktion ihrer Eltern zu verändern, wie der Monteur die Managementfehler beeinflussen konnte, die zum Verlust seiner Arbeitsstelle führten. Wenn wir die sexuelle Gewalt, die ein Kind ertragen musste, auf das Konzept „Wirklichkeitskonstruktion der Familie“ reduzieren, entspricht das in keiner Weise dem Erleben des Opfers.
Haben wir dagegen die Ursache anerkannt, führt allein dieser Schritt zu einer wirklichen Verbesserung im Leben der Menschen. Die bloße Zuordnung der Symptome und der nicht erwünschten Verhaltensweisen zu historisch nachweisbaren schrecklichen Erlebnissen bewirkt bei jedem der Betroffenen eine große Erleichterung, der die Erkenntnis folgt: Mit mir ist alles in Ordnung! Das, was mit mir geschehen ist, war schlecht für mich. Auf Grund dieser Erlebnisse habe ich Symptome und/oder Verhaltensmuster entwickelt, die ich heute gerne los wäre. Daran will ich arbeiten!
Wir sind davon überzeugt, dass alles, was ein Mensch tut, einen Sinn, einen psycho-logischen Nutzen für ihn hat, wobei wir die Sichtweise, dass jemand mit seinem Symptom einzig und allein nur Aufmerksamkeit erregen will, nicht teilen. Wir sind im Gegenteil davon überzeugt, dass die allermeisten Menschen ihr Bestes geben und sich mit ihren Symptomen und Verhaltensweisen in erster Linie vor Schlimmerem schützen. Wenn es uns gemeinsam mit dem Klienten gelingt, das seinen Beschwerden übergeordnete oder allem zu Grunde liegende Muster zu entschlüsseln, kann er das nicht mehr passende Verhalten schrittweise in ein dem aktuellen Kontext angemesseneres verwandeln.